Brucklyn Erlangen

Klimaneutrales Quartier: Das Beispiel Brucklyn in Erlangen

Bis zum Jahr 2050 wird in Deutschland ein nahezu klimaneutraler Immobilienbestand angestrebt. Die Jost Unternehmensgruppe entwickelt im Süden von Erlangen das 21.000 m2 große Wohn- und Arbeits-Quartier „Brucklyn“, das bereits zur Fertigstellung im Jahr 2020 ein Höchstmaß an technisch möglicher Klimaneutralität erreicht. Auch die Digitalisierung von Wohn- und Arbeitswelten ist ein erklärtes Ziel der Quartiersentwicklung.

Die entstehenden Flächen der Quartiersentwicklung Brucklyn in der Universitäts- und Forschungsstadt Erlangen richten sich vor allem an Start-ups, Studenten und junge Berufseinsteiger. Das Projekt zeigt unter anderem beispielhaft auf, wie sich eine moderne Campusatmosphäre inklusive zahlreicher Serviceangebote auf dem Areal mit dem Trend zum studentisch geprägten Micro-Living und Co-Working kombinieren lässt. So entsteht ein Ort, der Wohnen, Arbeiten und Freizeit am selben Standort miteinander verbindet.

Brucklyn Erlangen

Wohnen und Arbeiten in einem Quartier

Das Quartier mit 21.000 m2 Mietfläche setzt sich aus sechs Gebäudeeinheiten zusammen. Das größte Gebäude auf dem Areal „The Brucklyn“ bietet rund 300 vollausgestattete Studentenwohnungen auf einer Fläche von 7.200 m2, hinzu kommt eine Coffee Lounge. Wohnen können die zukünftigen Brucklyner zudem auch in den Gebäuden „Living“ auf rund 1.600 m² mit zusätzlichem Gastronomiezentrum und „Lifestyle“ mit 120 Apartments auf circa 4.600 m2. Smart-Home-Applikationen von Gira sorgen für einen hohen Nutzungskomfort. Der benachbarte „Brucklyn Park“ stellt als Parkhaus 310 Pkw-Stellplätze zur Verfügung und beinhaltet eine innovative e-mobility Station. Dort können Bewohner regenerativ aufgeladene E-Cars und E-Bikes flexibel nutzen. Die Buchung erfolgt über die Quartiers-App, wodurch die Ladeprozesse optimiert werden. Als Austausch- und Service-Plattform soll diese App insgesamt den Community-Gedanken in Brucklyn fördern und weitere Sharing Dienstleistungen zur Verfügung stellen.

Flächen für Start-ups und Co-Worker

Gearbeitet wird zum einen im Gebäude „Factory auf über 2.000 m2. Diese Einheit kombiniert Labor- und Büroflächen miteinander und wendet sich damit vor allem an Start-ups aus dem Umfeld der Friedrich-Alexander-Universität. Zum anderen bietet die benachbarte „Brucklyn Hall“ eine Bürofläche von ebenfalls über 2.000 m2, die als Coworking Spaces eingerichtet sind. Im selben Gebäude sind Nahversorgungsangebote für das gesamte Quartier auf rund 1.800 m2 platziert. Auch für weitere Dienstleistungen wie Kinderbetreuung oder medizinische Versorgung ist auf dem Areal gesorgt.

Vernetzung von Energiesystemen für Wärme, Kälte und Strom

Brucklyn Erlangen

1. Blockheizkraftwerke

Neben der konsequenten und zeitgemäßen Umsetzung der Quartiersidee punktet „Brucklyn“ vor allem durch sein nachhaltiges Energiekonzept, welches den Handelsblatt Energy Award 2017 gewonnen hat. Im Mittelpunkt steht die Vernetzung verschiedener energetischer Systeme, die jederzeit erweitert werden können. Das Gesamtsystem ermöglicht es, Energie im Quartier selbst zu erzeugen, zu speichern und sie zu verteilen. In das Areal werden drei kompakte Blockheizkraftwerke integriert. Diese erzeugen einerseits Strom und nutzen andererseits die dabei entstehende Wärme zum Heizen und zum Kühlen. Die Kraftwerke haben einen hohen elektrischen Wirkungsgrad und können auch mit Wasserstoff betrieben werden. Der primärenergetische Wirkungsgrad liegt bei ca. 140 Prozent, wodurch sich eine gute Klimabilanz ergibt. Brucklyn ist weltweit das erste Immobilienprojekt, bei dem ein chemischer Wasserstoffspeicher zum Einsatz kommen wird. Der Wasserstoffspeicher wird genutzt, um den erzeugten Strom mit einer hohen Energiedichte zu speichern. Zusätzlich werden Batterien verwendet, um Leistungsspitzen zu glätten. Dadurch funktioniert das Energiesystem besonders effizient.

2. Photovoltaik

Im Quartier kommen außerdem Photovoltaikanlagen zum Einsatz. Auf allen Dachflächen und zum Teil auch in der Gebäudefassade installiert, sind sie so leistungsfähig, dass sie an sonnigen Tagen einen Großteil des  Strombedarfs der Brucklyn-Einwohner decken. Überschüsse werden in Batterien und dem Wasserstoffspeicher zwischengespeichert. Dadurch steht Energie auch in der Nacht und an trüben Tagen zur Verfügung.

3. Geothermie

Eine weitere technische Besonderheit im Quartier ist die Erdwärmenutzung in Form einer oberflächennahen Geothermie-Anlage. Dazu wurden 24 Sonden 80 Meter tief ins Erdreich gebohrt. Eine Wärmepumpe versorgt die Immobilien mit Erdwärme, die als Heizquelle und zur Warmwasseraufbereitung Verwendung findet. Im Sommer kann das auf bis zu -4 Grad Celsius abkühlbare Sondenfeld unmittelbar zur Kühlung der Wohn- und Arbeitsräume eingesetzt werden.

Fortsetzung des smarten Energiekonzepts im Gebäudeinneren

Das intelligente Energiekonzept des Brucklyn-Quartiers setzt sich dank der Smart-Home-Technik auch im Inneren der Gebäude fort. Die Quartiersbewohner können Licht, Rollläden, Heizung, Lüftung, Kühlung und Sicherheitstechnik per App steuern und werden auf diese Weise für eine nachhaltige Immobiliennutzung sensibilisiert. Außerdem ermöglicht ihnen die App ein fortlaufendes Monitoring ihres jeweiligen Energieverbrauchs und auch die Energiekostenabrechnung lässt sich mit wenigen Klicks erledigen. Ein technisches Highlight im Gebäudeinneren ist darüber hinaus die sogenannte Betonkernaktivierung, eine innovative Methode zum Kühlen und Beheizen von Gebäuden. Dazu werden vorgefertigte Rohrsysteme in die Betondecken integriert. In diesem System zirkuliert anschließend Wasser, das je nach Temperatur Wärme aus der Decke aufnimmt und dadurch kühlt oder Wärme an die Decke abgibt und damit heizt. Die große Übertragungsfläche der Raumdecke sorgt für ein sehr behagliches Raumklima.

Musterbeispiel mit Blick auf 2050

Insgesamt ist die Quartiersentwicklung Brucklyn ein Beispiel dafür, wie in einem modern gestalteten, multifunktionalen Quartier der Einsatz innovativer technischer Energiesysteme in Kombination mit den Potentialen der Digitalisierung, zu einer nachhaltigen Gebäudenutzung führt. Zur Fertigstellung im Jahr 2020 wird das Quartier dadurch bereits die Klimaschutzziele für das Jahr 2050 erfüllen – und damit seiner Zeit voraus sein.

 

Ein Beitrag von:
Jürgen Jost, Gründer und Inhaber der Jost Unternehmensgruppe

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