• Global Retail Attractiveness Index

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    Attractiveness Index

Europäische Einzelhandelsmärkte stemmen sich gegen globalen Konjunkturabschwung

• Global Retail Attractiveness Index hält in Europa sein gutes Niveau
• Deutschland, Portugal und Italien bilden das Spitzentrio im Index
• Frankreich legt mit hohem Konsumentenvertrauen als einziger Markt zu

Die europäischen Einzelhandelsmärkte schlagen sich trotz sinkender Wirtschaftsdynamik weiterhin sehr ordentlich. Der von Union Investment gemeinsam mit der GfK ermittelte GRAI Attraktivitätsindex für die 15 bedeutendsten Einzelhandelsmärkte ist gegenüber dem Vorjahr noch einmal leicht um 5 Punkte gesunken. Mit 108 Zählern liegt er aber weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

GRAI

Große Volkswirtschaften mit stabilen Märkten

Zu den Stabilisatoren gehören die großen Volkwirtschaften, die Europa insgesamt noch zu einem sicheren Hafen für Immobilienanleger machen. Während Deutschland bei nunmehr 116 Punkten nur geringfügige Einbußen (- 5 Punkte) gegenüber dem 4. Quartal 2018 hinzunehmen hat und weiterhin der stärkste Einzelhandelsmarkt ist, hat Italien seine wiedererlangte Robustheit mit unverändert 110 Punkten unter Beweis gestellt. Frankreich konnte sogar zulegen und präsentiert sich als einziges Land unter den europäischen Top-15 mit einem Zuwachs (+ 6 Zähler). Unter dem Einfluss der verhaltenen Entwicklungen in Großbritannien, Dänemark und Schweden verliert der Index etwas an Boden.

GRAI

Europa-Index liegt global weit vorn

Insgesamt hält der GRAI in Europa aber den Index in Nordamerika (98 Punkte) und in Asien/Pazifik (96 Punkte), wo die globale Konjunkturabschwächung und der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China tiefe Spuren hinterlassen haben, deutlich auf Abstand. Trotz der auch in Europa rückläufigen Tendenzen ist die Differenz zu Nordamerika im Jahresverlauf von einem auf mittlerweile zehn Punkte angewachsen; zu Asien beträgt der aktuelle Abstand sogar zwölf Punkte.

Henrike Waldburg
„Der Arbeitsmarkt und die Verbraucherstimmung erwiesen sich auch im vierten Quartal 2019 als die wesentlichen Stützen und sorgen für das insgesamt gute Niveau in Europa. Die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes wirkt dagegen eher dämpfend auf den Index. Die Herausforderung im aktuellen Umfeld gute Investment mit sicheren Cashflows zu finden, die Wertzuwächse versprechen, bleibt damit unverändert hoch.“

Henrike Waldburg, Head of Investment Management Retail

Polarisierendes Umfeld

Die verhaltene konjunkturelle Entwicklung, die einen belastenden Faktor für nahezu alle Einzelhandelssegmente inklusive Online-Handel darstellt, verschärfe, so Henrike Waldburg, die Polarisierung und mache es erforderlich, bei der Assetauswahl noch umsichtiger zu agieren „Einzelhändler in kleineren, untergeordneten Objekten in B- oder C-Städten werden zu kämpfen haben. Demgegenüber dürfen dominante Shoppingstandorte mit attraktiven Angeboten, die sich am veränderten Konsumverhalten und Kundenbedürfnissen orientieren, den strukturellen Veränderungen im Einzelhandel mit Gelassenheit entgegensehen.“

Puerto Venecia Saragossa
Puerto Venecia, Saragossa

Beispiel sei das Shoppingresort Puerto Venecia in Saragossa, das zu den drei am stärksten frequentierten Malls Spaniens zählt. „Hier liegt die durchschnittliche Verweildauer der Kunden bei  drei Stunden – ein gutes Argument für uns, hier im letzten Jahr einzusteigen.“ Als besonders online-resistent und damit wertstabil haben sich im aktuellen Wirtschaftsumfeld zudem Fachmarktzentren erwiesen, insbesondere solche mit langfristig vermieteten Lebensmittelmärkten als zentralem Ankermieter. „Deutschland hat speziell im Bereich der quartiersbezogenen Nahversorgung noch Aufholbedarf“, sagt Henrike Waldburg.

GRAI

Deutschland, Portugal und Italien bilden das Spitzentrio

Im GRAI bilden auf Länderebene derzeit Deutschland mit 116 Zählern, Portugal mit 115 Punkten und Italien mit 110 Punkten das Spitzentrio. Ebenfalls noch überdurchschnittlich zum europäischen Index tragen Polen und Frankreich mit jeweils 109 Punkten bei. Die schlechteste Platzierung im vierten Quartal 2019 erreicht mit nur 96 Punkten Schweden. Dänemark und Großbritannien erzielen mit 97 bzw. 98 Punkten ebenfalls nur unterdurchschnittliche Werte. Im Jahresverlauf mussten Tschechien (-14 Punkte), gefolgt von Polen (-12 Punkte), den Niederlanden und Portugal mit jeweils minus zehn Zählern die deutlichsten Einbußen beim Retail-Index hinnehmen.

Zur Methodik des GRAI

Der Global Retail Attractiveness Index (GRAI) von Union Investment bildet die Attraktivität der Einzelhandelsmärkte von insgesamt 20 Ländern in Europa, Amerika und Asien-Pazifik ab. Dabei bedeuten 100 Indexpunkte eine durchschnittliche Bewertung. In den EU-15-Index gehen die Indizes der EU-Länder Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, Österreich, Niederlande, Belgien, Irland, Portugal, Polen und Tschechien ein, gewichtet mit ihrer jeweiligen Bevölkerungszahl. In den Nordamerika-Index gehen die Indizes der USA und Kanadas ein; der Asien-Pazifik-Index berücksichtigt Japan, Südkorea und Australien.

Halbjährlich vom Marktforschungsunternehmen GfK ermittelt, setzt sich der Global Retail Attractiveness Index aus zwei Stimmungsindikatoren und zwei datenbasierten Indikatoren zusammen. Alle vier Faktoren gehen gleichgewichtet, d.h. mit jeweils 25 Prozent, in den Index ein. In den Index fließt sowohl die Stimmung der Nachfrageseite (Consumer Confidence) als auch die Stimmung der Angebotsseite (Business Retail Confidence) ein. Als quantitative Input-Faktoren werden die Veränderung der Arbeitslosigkeit und die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes (rollierend 12 Monate) in den GRAI einbezogen. Nach Standardisierung und Transformation haben die Input-Faktoren jeweils einen Mittelwert von 100 sowie einen theoretischen Wertebereich von 0 bis 200 Punkte. Dem Index liegen Daten aus aktuellen Quellen von GfK, EU-Kommission, OECD, Trading Economics, Eurostat sowie der nationalen Statistikämter zugrunde. Die dargestellten Veränderungen beziehen sich jeweils auf den entsprechenden Zeitraum des Vorjahres (Q4 2018).

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Fabian Hellbusch

Bei Fragen zum Global Retail Attractiveness Index wenden Sie sich bitte an:

fabian.hellbusch@union-investment.de